Erst fühlen, dann buddeln: Welcher Gartentyp bist du?

Bevor der erste Spatenstich gemacht wird oder Pflanzen eingekauft werden, lohnt sich eine viel wichtigere Frage: Welcher Gartentyp bin ich eigentlich? Denn ein Garten macht nur dann langfristig Freude, wenn er zu dir, deinem Alltag und deinem Charakter passt - nicht zu Trends oder Pinterestideen.

Warum dein Gartentyp so wichtig ist

Viele Gärten scheitern nicht an der Pflanzenauswahl, sondern daran, dass sie nicht zum Menschen passen, der sie pflegen soll. Wer wenig Zeit hat, aber einen extrem pflegeintensiven Garten anlegt, wird früher oder später frustriert sein. Wer Ordnung liebt, aber einen wilden Naturgarten kopiert, ebenfalls.

Dein Gartentyp hilft dir dabei:

  • realistische Entscheidungen zu treffen
  • Fehlkäufe zu vermeiden
  • deinen Garten nachhaltig und stressfrei zu entwickeln.

Die häufigsten Gartentypen: Wo kannst du dich wiederfinden?

1. Der Cottagegarten-Liebhaber (Der romantische Ästhet)

Das Gefühl: Üppigkeit, Nostalgie, Geborgenheit.

Der Fokus: Eine üppige und dichte Bepflanzung mit märchenhaftem Charme zu allen Jahreszeiten, die den Boden schnell bedeckt und den Garten dadurch überraschend pflegeleicht macht. Unkraut hat hier nämlich keine Chance und das Mulchen erledigen die Pflanzen auch von selbst. Es mischen sich Nutz- und Zierpflanzen.

Der Unterschied zum Naturgarten: Im Cottagegarten steht die Ästhetik und die Fülle im Vordergrund. Hier dürfen auch gefüllte Rosen, Pfingstrosen oder englische Rittersporne glänzen, die zwar wunderschön aussehen, aber für Insekten nicht immer den höchsten Nährwert bieten.

2. Der Naturgarten-Pionier (Der ökologische Visionär)

Das Gefühl: Verbundenheit, Beobachtung, Lebendigkeit.

Der Fokus: Heimische Wildpflanzen, Totholz und Trockenmauern. Hier ist die Natur der Chef.

Der Unterschied zum Cottagegarten: Während der Cottagegarten "kontrollierte Üppigkeit" mit Fokus auf Optik ist, ist der Naturgarten funktional ökologisch. Hier wird bewusst auf heimische Wildarten gesetzt, die genau auf unsere Insekten abgestimmt sind. Es darf auch mal "unordentlich" aussehen, weil genau darin der Wert für die Biodiversität liegt.

Wenn dir das zu wild ist, du aber dennoch nicht auf die naturnahe Bepflanzung verzichten möchtest, kannst du deinen Beeten auch jeweils einen Rahmen geben, was für "Halt" und "Kontrolle" sorgt.

3. Der moderne Minimalist (Der Struktursucher)

Das Gefühl: Klarheit, Ordnung, visuelle Ruhe.

Der Fokus: Wenige, aber markante Pflanzen (z.B. Gräser oder Formgehölze), hochwertige Materialien wie Stein oder Cortenstahl. Dieser Typ braucht klare Kanten, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Reizüberflutung im Alltag wird hier durch visuelle Stille ausgeglichen.

4. Das "Essbare Paradies" (Der Selbstversorger)

Das Gefühl: Stolz, Sinnlichkeit, Wirksamkeit.

Der Fokus: Hochbeete, Obstspaliere und Kräuterspiralen. Für diesen Typ muss der Garten einen Nutzen haben. Das Buddeln in der Erde erüllt einen schöpferischen Sinn und das Ernten ist die Belohnung für die Mühe - ein wunderbarer Ausgleich zu geistiger Arbeit.

Dieses Paradies kann ganz unterschiedlich aussehen. Beliebt ist z.B. der klassische Bauerngarten.

5. Der Familien-Allrounder (Der Lebensraum-Gestalter)

Das Gefühl: Gemeinschaft, Flexibilität, Freude.

Der Fokus: Rasenfläche zum Toben, robuste Sträucher, eine große Terrasse. Der Garten ist hier ein erweitertes Wohnzimmer. Die Herausforderung ist, den Spagat zwischen Spielplatz und Rückzugsort für die Erwachsenen zu finden.

6. Der moderne Präriegarten (Der Klimavisionär)

Das Gefühl: Weite, Leichtigkeit und Dynamik.

Der Fokus:  Hier werden Gräser massenhaft mit langlebigen Stauden kombiniert. Es sieht aus wie eine stilisierte Steppe oder Prärie.

Der Kontrast: Er ist geradliniger als ein Cottagegarten (oft in großen Flächen gepflanzt), aber viel lebendiger als ein rein minimalistischer Garten. Er ist extrem klimaresilient und pflegeleicht, da die Pflanzen perfekt an Trockenheit angepasst sind, aber auch starke Regengüsse aushalten. Er strahlt Ruhe aus durch Wiederholung, wirkt aber nie starr, da die Gräser sich bei jedem Windhauch bewegen. Nachteil: Klassischerweise blüht es erst so richtig ab dem Sommer.

7. Der mediterrane Garten (Der Liebhaber des Südens)

Das Gefühl: Urlaubsfeeling, Wärme, Sinnlichkeit.

Der Fokus: Warme Naturtöne, Steinmauern, Kieswege, duftende Kräuter, viel Lavendel, Olivenbäume, Terrakottatöpfe: hier kommt südländischer Flair auf und lädt zum Verweilen ein. Kurzurlaub vorprogrammiert.

8. Der japanische Garten (Der fernöstliche Fan)

Das Gefühl: Meditative Ruhe und Harmonie.

Der Fokus: Ein eher minimalistischer Garten mit Kiesflächen, Ahornbäumen, Bonsai, Wasser, Moos und gezielt gesetzten Steinen, evlt. noch mit einem Teehaus, bringt geistige Ruhe.

9. Der formalen Barockgarten (Der Elegante)

Das Gefühl: herrschaftlich, edel, formell.

Der Fokus: Symmetrische Formen, Buchsbaumhecken, Springbrunnen, Skulpturen sorgen v.a. auf großen Grundstücken für herrschaftliche Eleganz.

10. Der skandinavische Garten (Der "Hyggelige")

Das Gefühl: Behaglich, ruhig, geborgen.

Der Fokus: Eine schlichte, naturnahe, funktionale Gartengestaltung. Naturmaterialien wie Holz, Kies oder Stein, gemütlichen Sitzgelegenheiten sowie häufig ein Bereich für Selbstversorgung erschaffen die typisch skandivanische "Hyggeligkeit".

Fazit: Dein Garten, dein Spiegel

Egal, ob du die pflegeleichte Üppigkeit des Cottagegartens wählst oder die wilde Freiheit des Naturgartens - wichtig ist, dass die Entscheidung vor dem Pflanzenkauf fällt. In meinen Workshops nutzen wir dafür Moodboards, um genau diese tieferliegenden Wünsche sichtbar zu machen. Denn am Ende soll dein Garten der Ort sein, an dem du die Welt da draußen kurz vergessen kannst.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.